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Was blüht jetzt im Botanischen Garten Adorf

April 2019

Lange haben die meisten von uns sehnsüchtig darauf gewartet: Den Frühling und den Beginn der neuen Vegetationsperiode. Bereits vor Wochen begannen die ersten Vertreter in den Gärten zu blühen: Winterlinge, Schneeglöckchen und andere Frühlingsboten. Das Wetter im März war wechselhaft, von sehr warmen Tagen über Nachtfröste bis zu Schneefall und Regen, insgesamt keine schlechten Voraussetzungen für den Start in die neue Blühsaison.

 

Das Frühjahr ist eine Domäne vieler Gattungen der Zwiebelgewächse; diese können auf einen Nahrungsvorrat in ihrem Speicherorgan zurückgreifen und kommen bei geeigneten Witterungsverhältnissen schnell zur Blüte. In nahezu jedem Garten stehen Schneeglöckchen, Krokusse, Märzenbecher, Tulpen, Narzissen und viele andere Arten.

 

In unserer Afrika-Abteilung blüht derzeit eine winzige Narzisse, die sog. Marokko-Narzisse,

 

Narcissus romieuxii.

Diese sehr zierliche (max. 10cm hoch) frühblühende Art stammt aus dem Norden Afrikas, genauer gesagt dem Hohen Atlas in Höhen zwischen 1700 und 2000 m, wo sie in Zedern- und Eichenwäldern wächst. Den Untergrund bilden basische Gesteine wie Kalk oder Basalt. Entsprechend sollte sie kultiviert werden, das Substrat muss sehr durchlässig und gut drainiert sein und in der Wachstumsphase mäßig feucht bleiben.

 

Aus den Wäldern der rumänischen Karpaten stammt das Siebenbürger Leberblümchen,

Hepaatica trnssilvanica.

Es wächst dort in schattigen bis halbschattigen Wäldern auf humosem Boden.  Ein schöner Bestand dieser Art befindet sich im hinteren Teil unseres Gartens. Von unserem einheimischen Gewöhnlichen Leberblümchen, Hepatica nobils, unterscheidet es sich durch einen früheren Blühbeginn sowie größere Laubblätter und Blüten. Die Leberblümchen gehören zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae). Die Gattung besteht aus weniger als 10 Arten; das Verbreitungsgebiet umfasst viele, nichtzusammenhängende Regionen der nördlichen Hemisphäre von Asien über Europa bis Amerika.

 

Mittlerweile gibt es zahlreiche Zuchtformen, z.T. prächtig gefüllt in den Farben blau, weiß und rosarot. Für manche seltenen Formen muss der Käufer recht tief in die Tasche greifen.

 

Im Bereich Kalktuff blüht jetzt an mehreren Stellen eine sehr schöne Steinbrech-Art,

 

Saxifraga grisebachii.

Seine natürliche Heimat ist der Balkan, ehemaliges Jugoslawien, Albanien und Bulgarien. Die Art bildet Blattrosetten von ca. 3cm Durchmesser, die zu kleine Polstern heranwachsen. Die Blütenstände sind traubig, nickend, von karmin- bis purpurroter Farbe.

 

Die Art ist kalkliebend und benötigt durchlässiges Substrat bei sonniger bis halbschattiger Lage.

Die Gattung Steinbrech umfasst zwischen 450 und 500 Arten; hinzu kommt eine große Anzahl von Zuchtformen.

 

An dieser Stelle möchten wir auch darauf hinweisen, dass auch in diesem Jahr unsere traditionelle Frühjahrsbörse am 20. April (Ostersamstag) in unserem Botanischen Garten stattfindet. Dazu laden wir alle Interessenten herzlich ein. Auch in diesem Jahr werden zahlreiche Händler Pflanzenraritäten aus unterschiedlichen Bereichen (Stauden, alpine Pflanzen, Gehölze und vieles mehr) in reichlicher Auswahl anbieten.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf


 

 

Oktober 2018

 

Unlängst signalisierte uns der Kalender, dass der Herbst begonnen hat. Aber auch ohne diesen Hinweis hat jeder von uns gemerkt, dass die Tage merklich kürzer geworden sind und die Natur sich langsam auf die kommenden kühlen Tage einstellt.

Auch für unseren Botanischen Garten neigt sich die Saison dem Ende entgegen.  Erste Nachtfröste haben ihre Spuren hinterlassen: Die in Vollblüte stehenden Krötenlilie (Tricyrtis hirta) mit ihren herrlichen, orchideenartig anmutenden Blüten, sieht nun aus wie ein Häufchen Elend.

Die zurückliegende Blühsaison wich in mancher Hinsicht von der vorjährigen ab. Im Mai suchte ein Hochwasser nach Starkniederschlägen auch unsere Anlage heim; zum Glück nur mit begrenztem Schaden. Später folgten viele Wochen ohne nennenswerte Niederschläge.

Jetzt muss man in der Anlage schon etwas suchen, um noch blühende Arten zu finden (vom Staudenteil mit den gartenwürdigen Züchtungen einmal abgesehen). Aber man wird noch fündig:

 

So findet sich im Bereich Kaukasus ein kleiner Busch des „Merkwürdigen Enzians“, Gentiana paradoxa.

Er fällt sofort durch seine leuchtend blauen Blüten auf, welche sich einzeln an den Enden der Stängel befinden. Die Stängel selbst sind mit vielen schmalen, quirlig angeordneten Blättern bestückt. Sie werden bei uns ca. 20 cm lang, die Blüten selbst ca. 4-6 cm. Die Pflanze ist ein seltener Endemit des Großen Kaukasus, speziell in niedrigeren Bergen zum Schwarzen Meer hin. Die Kultur der Art ist recht anspruchsvoll.

 

In unserem Garten sind es nur wenige Schritte vom Kaukasus zu den Waldpflanzen Eurasiens. Dort blüht jetzt noch, ebenfalls in Blau aber nicht so leuchtend wie der Enzian, die Nordische Jakobsleiter, Polemonium boreale.

Die zu den Sperrkrautgewächsen gehörende Pflanzengattung, für die auch der Gattungsname Himmelsleiter gebräuchlich ist, umfasst zwischen 20 und 30 Arten und ist in der nördlichen kühlen und gemäßigten Hemisphäre verbreitet. In Mitteleuropa kommt nur eine Art, nämlich Polemonium cearuleum, wild vor. Der Name Jakobsleiter (oder Himmelsleiter) ist den kleinen, leiterartig angeordneten Blättern zu verdanken. Mittlerweile gibt es einige Gartenformen und auch buntlaubige Züchtungen. Der Boden im Garten sollte feucht und durchlässig sein, der Standort sonnig bis halbschattig.

 

Ein weiterer kleiner „Farbklecks“, diesmal in Gelb, befindet sich im Bereich Nordamerika. Dort blüht die kleine Staude Oenothera tetragona, die Rotstängelige Nachtkerze.

Die Nachtkerzen stammen ursprünglich aus Amerika (gemäßigte Zonen im Norden und Süden), wurden aber schon vor Jahrhunderten nach Europa als Zierpflanzen eingeführt. Es gibt insgesamt zwischen 100 und 200 Spezies, darunter einjährige, zweijährige und ausdauernde Arten. Viele Arten öffnen ihre Blüten erst in der Dämmerung und locken dann nachtaktive Insekten als Bestäuber durch ihren Duft an. Die Kultur ist unproblematisch, der Standort sollte warm und trocken sein.

 

Ende Oktober geht unser Botanischer Garten, wie auch alle seine Bewohner, in die Winterpause. Wir bedanken uns bei allen Besuchern und freuen uns mit ihnen auf die kommende Saison ab April 2019.

 

 

 

August 2018

Der Witterungstrend der letzten Wochen hat sich fortgesetzt: Die Temperaturen waren sommerlich hoch und die Niederschläge außergewöhnlich gering. Dazu kam noch ein hoher Verdunstungsgrad, oftmals begünstigt durch mäßigen Wind. Entsprechend hoch war der Aufwand, welcher mit der Bewässerung der Anlage betrieben werden musste, um Trockenschäden in engen Grenzen zu halten, was auch gut gelang.

Der Hochsommer ist üblicherweise eine Domäne der Staudenblüte, so auch jetzt. Im Bereich Asien blüht nun beispielsweise die Prachtspiere.

                  Astilbe chinensis var. pumila

Die Pflanzengattung umfasst 14 Arten. Sie hat als attraktive und pflegeleichte Staude, auch in Form von vielen Hybriden, schon sehr lange Einzug in unsere Gärten gehalten. Besonders beliebt und verbreitet sind die „Arendsii-Hybriden“, Züchtungen des deutschen Staudengärtners Georg Arends. Die zu den Steinbrechgewächsen zählende Gattung ist hauptsächlich in Ostasien beheimatet, in Nordamerika kommt eine Art vor. In ihrer Heimat kommen die Prachtspieren häufig in Wäldern vor oder auf feuchten Standorten, z.B. an Bächen. Auch bei uns sollte sie auf Standorten kultiviert werden, die nicht so leicht austrocknen. Eine Vermehrung kann durch Teilen im Frühjahr erfolgen. Die Pflanzen können Wuchshöhen von weit über einem Meter erreichen, es gibst aber auch zwergige Formen, wie die hier vorgestellte Varietät. Die rispigen Blütenstände enthalten viele hundert kleine Einzelblüten in Farbtönen zwischen Rot und Weiß.

Ebenfalls im Bereich Asien unserer Anlage fallen zurzeit viel niedrige intensiv blau blühende Stauden auf. Es handelt sich dabei um aus Japan stammende Enziane.

   Gentiana nipponica

Die Art stammt. Wie der Artnamen „nipponica“ erahnen lässt, aus Japan, wo sie bis in 2800m Höhe vorkommt.

Ihre Stiele sind 20-30cm lang, wachsen kriechend und tragen leuchtend blaue, 2cm lange Blüten an ihren Enden.

Die Pflanzengattung Gentiana, Enzian, umfasst ca. 400 Arten, meist Stauden aber auch einige zweijährige Arten. Die meisten Vorkommen befinden sich in der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel, einige kommen in den Anden vor. Die Farbe der Blüten ist häufig blau in unterschiedlichen Tönen. Es gibt aber auch weiße, gelbe und violette Arten. Die Wurzel letzterer Arten werden schon seit sehr langem zur Herstellung von Enzian-Schnaps verwendet. In Europa sind sämtliche Enzianarten geschützt. Für die zur Schnapsherstellung genutzten Arten laufen Versuche zur Kultivierung.

Unweit der vorgestellten Enzian Art blüht ebenfalls jetzt im Moorbeet die Gelbe Schlauchpflanze.

  Sarracenia flava

Die Art stammt aus dem Osten Nordamerikas. Die Gattung umfasst 8 Arten. Standorte sind Torfmoore und feuchte Wiesen an Teichrändern. Die Schlauchpflanze gehört zu den sog. „fleischfressenden“ Pflanzen oder Carnivoren, zu denen auch unsere heimischen Sonnentauarten oder das Fettkraut gehören. Derartige Pflanzen wachsen meist auf nährstoffarmen, besonders stickstoffarmen Standorten. Durch den Fang von Insekten erhalten sie zusätzlichen Stickstoff. Bei den Schlauchpflanzen ist ein Blatt zu einem Schlauch geformt, in dessen Innerem sich eine Verdauungsflüssigkeit befindet. In diese fällt das Opfer, welches durch Farbe und Duft der Pflanze angelockt wird.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf

 

 

Juli 2018

Die letzten Wochen waren bei uns recht trocken und warm bei z.T. kühlen Nächten, Niederschläge fielen nur mäßig. In unserem Botanischen Garten blüht daraufhin eine Fülle von Arten. Viele davon sind schon am Eingangsbereich bei den gartenwürdigen Züchtungen zu bewundern, aber auch in den Bereichen der unterschiedlichen pflanzengeografischen Regionen ist viel Interessantes zu entdecken.

Zwei der heute vorgestellten Arten kommen aus dem Bereich des Kaukasus. Die erste ist gleich ein Kaukasus-Endemit, also eine Art, die nur dort heimisch ist, nämlich die Sarmatische Glockenblume.

 Campanula sarmatica 

Es ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die bis ca. 50cm hoch wird. Die Stängel sind am Grunde verzweigt, an den Enden sitzen hell blauviolette, bis über 3cm lange Blüten, die am Rande auffallend stark behaart sind. In ihrer Heimat kommt die Sarmatische Glockenblume in Höhen zwischen 1400m und 2200m auf felsigen Standorten vor. Bei uns sollte sie an trockenen, sonnigen Plätzen kultiviert werden. Glockenblumen kommen fast weltweit vor, vor allem in der nördlichen gemäßigten bis subarktischen Region. Zwei Verbreitungsschwerpunkte sind der Mittelmeerraum und die Kaukasus-Region. Auch bei uns kann man Glockenblumen leicht finden, so z.B. die Rundblättrige, die Pfirsischblättrige oder die Nesselblättrige Glockenblume.

Unsere zweite Art aus dem Kaukasus ist die Großblütige Betonie.

 Betonica macrantha

Sie ist eine Pflanze der subalpinen bis alpinen Wiesen zwischen 1800m und 2500m, wo sie von Juli bis August blüht. Die zu den Lippenblütlern gehörende Pflanze wird 25-70cm hoch. An den Enden der 4-kantigen Stängel sitzen die violetten Blüten in quirlförmigen Blütenständen, die Einzelblüten werden bis 35mm lang. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den gesamten Kaukasus, den nordwestlichen Iran und Teile Kleinasiens, also der Türkei.

Die Gattung Betonica wurde früher gelegentlich auch mit der Gattung Stachys, also Ziest vermischt.

Seit 2010 gilt sie als gesichert eigenständig. Die Zahl der Arten innerhalb der Gattung wird zwischen 12 und 17 angegeben. Breit ist das Spektrum der Pflanzeninhaltsstoffe, weswegen manchen Arten der Gattung eine gewisse Heilwirkung, insbesondere aufgrund ihrer beruhigenden Wirkung zugeschrieben wird.

Vom Kaukasus geht es nun auf die Iberische Halbinsel in die Pyrenäen. Dort gedeiht der Pyrenäen-Gamander.

 Teucrium pyrenaicum 

Auch die Gattung Gamander gehört zu den Lippenblütlern. Weltweit existieren ca. 250 Arten, davon kommen 5 auch in Deutschland vor (z.B. Trauben-Gamander und Salbei-Gamander). Der Verbreitungsschwerpunkt ist das Mittelmeer-Gebiet. Der Pyrenäen-Gamander hat einen flachen polsterähnlichen Wuchs. Die weißen Blüten sitzen an endständigen Blütenständen, die im Knospenstadium eine violette Färbung tragen.

Bei uns sollte die Pflanze vollsonnig kultiviert werden, der Standort trocken bis nur mäßig feucht bei guter Boden-Drainage.

Dr. Peter Renner
Verein Botanischer Garten Adorf

 

 

 

Juni 2018

Waren die ersten 3 Wochen im Mai doch sehr niederschlagsarm – nicht eben optimal für die Pflanzenwelt, änderte sich die Situation am 24. Mai geradezu dramatisch. Von dem durch langanhaltende heftige Niederschläge und Gewitter geprägten Unwetter dieses Tages blieb auch unser Botanischer Garten nicht verschont. 

Der das Tal durchfließende Pfaffenlohbach trat über den Damm des oberhalb des Gartens gelegenen Teiches und spülte mehrere Kubikmeter Material aus dem Hang, um dann durch den Wirtschaftsteil des Gartens zum unterhalb gelegenen Teich und schließlich durch das Waldbad mit verheerender Wirkung zu fließen. Unsere Anlage selbst hat den starken Regen recht gut überstanden. Kurz nach dem Unwetter wurden durch Mitglieder des Gartenvereins und weitere Helfer die ersten Schäden in der Anlage beseitigt.

Derzeit, da sich Niederschläge und warme Temperaturen abwechseln, gedeihen die Pflanzen im Garten prächtig, entsprechend hoch ist die Anzahl der blühenden Arten.

Eine davon, die durch ein besonders intensives Hellblau ihrer Blüten hervortritt, ist die Felsen-Moltkie,